Wer wie viel Einkommensteuer zahlen muss

Alle natürlichen Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland sind mit ihrem gesamten Welteinkommen unbeschränkten einkommensteuerpflichtig, also auch mit ausländischen Einkünften. Das bedeutet: Jeder in Deutschland lebende Mensch wird der Einkommensteuer unterworfen. Dabei sind das Alter, die Geschäftsfähigkeit und die Nationalität unerheblich. Daher sind auch Kinder einkommensteuerpflichtig. (Für juristische Personen, zum Beispiel GmbH und AG, gilt die Körperschaftsteuer.)

Wer seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, aber in Deutschland Einkünfte erzielt, ist hier beschränkt steuerpflichtig. Er muss seine inländischen Einkünfte in Deutschland versteuern, wobei Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Wohnsitzstaat beachtet werden.

Welche Einnahmen unterliegen der Einkommensteuer?

Die zu versteuernden Einnahmen lassen sich in sieben Kategorien einordnen:

Alle anderen Einnahmen sind nicht steuerbare Vorgänge auf der privaten Vermögensebene, die nicht der Einkommensteuer unterliegen. Hierunter fallen zum Beispiel Lotteriegewinne, Gewinne aus Wetten und Gewinne aus sonstigen Liebhabereigeschäften, die ohne Gewinn- oder Überschusserzielungsabsicht ausgeübt werden. Erbschaften und Schenkungen unterliegen der Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer.

Wie wird die Einkommensteuer berechnet?

Zur Einkommensteuer-Berechnung sind mehrere Schritte erforderlich. Zum Überblick siehe unser Berechnungsschema in der unten stehenden Tabelle. Hier ist eine ausführlichere Erklärung.

1. Summe der Einkünfte berechnen:

Als erstes ermitteln Sie die Gewinne und Überschüsse aus den oben genannten Einkunftsarten. Beachten Sie dabei, dass Sie Ihre Kosten nur mit solchen Einnahmen verrechnen dürfen, in deren Zusammenhang sie entstanden sind. Es ist nicht möglich, Einnahmen und Ausgaben aus verschiedenen Einkunftsarten zu vermischen. Selbst wenn in einer Einkunftsart Ihre Kosten die Einkünfte deutlich übersteigen.

Beispiele:

  • Ein Freiberufler verrechnet seine Fahrtkosten zum Kunden mit seinen Einkünften aus selbstständiger Arbeit.
  • Fotokopien, Telefonate und Reparaturen im Zusammenhang mit der vermieteten Wohnung lassen sich nur mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung verrechnen, nicht aber mit Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit.
  • Gewerkschaftsbeiträge fallen meist im Zusammenhang mit nichtselbstständiger Arbeit an.

Rechnen Sie die Gewinne und Überschüsse aus allen Einkunftsarten zusammen, um die Summe der Einkünfte zu erhalten.

2. Gesamtbetrag der Einkünfte berechnen:

Anschließend ziehen Sie gegebenenfalls den Altersentlastungsbetrag ab. Sie haben nun den Gesamtbetrag der Einkünfte ermittelt.

3. Einkommen berechnen:

Hiervon ziehen Sie Ihre Sonderausgaben ab, zum Beispiel Versicherungsbeiträge oder Spenden.

Danach ziehen Sie außergewöhnliche Belastungen ab. Das sind Kosten, die unabwendbar für Sie waren und über den alltäglichen Kosten liegen. Beispiele: Krankheitskosten, soweit nicht von der Versicherung ersetzt, Beerdigungskosten, Scheidungskosten.

Damit haben Sie Ihr Einkommen berechnet.

4. Zu versteuerndes Einkommen berechnen:

Nun berücksichtigen Sie gegebenenfalls den Kinderfreibetrag und den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Nach Abzug dieser Kosten haben Sie das zu versteuernde Einkommen errechnet, die Ausgangsgröße für Ihre Einkommenssteuer.

5. Einkommensteuer berechnen:

Hierauf wird Ihr individueller Steuersatz angewendet, der in der Grundtabelle für Ledige oder in der Splittingtabelle für zusammenveranlagte Ehegatten steht. Falls Ihr persönlicher Steuersatz zum Beispiel 31 Prozent beträgt, multiplizieren Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen mit 0,31. So ermitteln Sie Ihre zu zahlende Einkommensteuer.

6. Bonus: Nach der Einkommensteuer geht es weiter

Bitte beachten Sie, dass Sie auf Ihren Einkommensteuerbetrag außerdem Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer zahlen müssen.

Einkommensteuer-Rechner

Dieser Rechner für die Einkommensteuer nimmt Ihnen die letzten Schritte ab. Tragen Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen aus Schritt 4 ein, ergänzen Sie gegebenenfalls die anderen Daten und klicken Sie auf "berechnen":

Sie können das Ergebnis dieses Rechners als Tabelle und Grafik drucken. Sie bekommen zu jeder Zeile Erklärungen und Hinweise, indem Sie Ihre Maus über das "?" oder "!" halten. 

Berechnungsschema für die Einkommensteuer

Hier sind alle Schritte zur Berechnung der Einkommensteuer im Überblick:

RechnungSchritt
+Gewinne aus Land- und Forstwirtschaften
+Gewinne aus Gewerbebetrieben
+Gewinne aus selbstständigen Arbeiten
+Überschüsse aus nichtselbstständigen Arbeiten
+Überschüsse aus Kapitalvermögen
+Überschüsse aus Vermietung und Verpachtung
+Überschüsse aus sonstigen Einkünfte im Sinn des § 22 EStG
=Summe der Einkünfte
-abzüglich Altersentlastungsbetrag
=Gesamtbetrag der Einkünfte
-abzüglich Sonderausgaben
-abzüglich außergewöhnliche Belastungen
=Einkommen
-abzüglich Kinderfreibetrag
-abzüglich Alleinerziehendenentlastungsbetrag
=zu versteuerndes Einkommen
*persönlicher Steuersatz
= Ergebnis:zu zahlende Einkommensteuer
Stand: Juli 2015, Quelle: www.steuer-schutzbrief.de

Artikel, Nachrichten und Tipps zur Einkommensteuer:

Erhöhung: Grundfreibetrag, Kinderfreibetrag und Kindergeld 2015-2016

vom 28. Juli 2015 (aktualisiert am 25. November 2015)

Um welche Beträge die Bundesregierung den Grundfreibetrag 2015 und 2016 erhöht. Auch Kinderfreibetrag, Kindergeld und Kinderzuschlag steigen.[weiterlesen...]

Kein steuerfreier Sockelbetrag beim Elterngeld

vom 03. März 2010 (aktualisiert am 07. Mai 2016)

Warum das Elterngeld vollständig dem Progressionsvorbehalt unterliegt und wie Eltern dennoch die Hoffnung auf eine Steuererstattung wahren. Mit kostenlosem Einspruchs-Musterschreiben zum Download.[weiterlesen...]

Steuern sparen mit der Handwerkerrechnung

vom 09. Januar 2009 (aktualisiert am 14. Juli 2014)

Wie Sie die Kosten für einen Handwerker Steuern sparend als haushaltsnahe Dienstleistung abziehen.[weiterlesen...]

Lohnsteuer-Ermäßigung für 2009 beantragen

vom 05. November 2008 (aktualisiert am 25. Juli 2014)

Unter welchen Voraussetzungen Arbeitnehmer ihre monatliche Lohnsteuer senken können und welche Freibeträge das Finanzamt auf der Lohnsteuerkarte einträgt.[weiterlesen...]

Die wichtigsten Steueränderungen des Jahres 2008 auf einen Blick

vom 10. Januar 2008 (aktualisiert am 09. Mai 2016)

AfA bis Zinsen: Welche Gesetzesänderungen 2008 Steuerzahler kennen sollten und wo sie weiterführende Steuerinformationen bekommen.[weiterlesen...]

Frist: Antragsveranlagung für 2005 nur bis zum 31. Dezember 2007 möglich

vom 26. Oktober 2007 (aktualisiert am 26. Februar 2010)

Wer ausschließlich Lohn oder Gehalt bezieht und keine anderen Einkünfte hat, braucht keine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt abzugeben. Doch damit verschenken viele Arbeitnehmer Geld. Denn das Finanzamt berücksichtigt...[weiterlesen...]

Vorsicht Falle: Die Tücken der elektronischen Steuererklärung

vom 31. Mai 2007 (aktualisiert am 05. Juli 2012)

Wer seine Steuererklärung über das Internet-Verfahren "Elster" abgibt, geht ein hohes Risiko ein. Es drohen finanzielle Nachteile und im schlimmsten Fall sogar strafrechtlicher Ärger, falls es später zum Streit mit dem...[weiterlesen...]

Auslandsdividenden: Holen Sie sich die Steuer aus alten Bescheiden zurück

vom 09. Mai 2007 (aktualisiert am 04. August 2012)

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die frühere Besteuerung von Auslandsdividenden in Deutschland für EU-rechtswidrig und für zu hoch erklärt (Aktenzeichen: C 292/04). In diesem anlegerfreundlichen Urteil geht es um das so...[weiterlesen...]

Steuererklärung: Erstattungszinsen sind steuerpfichtig

vom 16. Juni 2006 (aktualisiert am 31. Juli 2014)

Wer vom Finanzamt Erstattungszinsen für zu viel gezahlte Steuern erhält, muss diese versteuern, entschied der Bundesfinanzhof (BFH, Aktenzeichen: VIII R 105/03). Es spiele keine Rolle, dass der Steuerzahler dazu gezwungen war,...[weiterlesen...]


Ihre Lebenszeit...

... ist zu wertvoll, um sie mit Steuerrecht zu vergeuden. Fragen Sie gezielt einen Profi, statt stundenlang selbst zu suchen. Hier bekommen Sie die verlässliche Antwort: