Kirchensteuer: Steuer-Tipps und Bundesländer-Tabelle

Wer einer steuerberechtigten Kirche angehört, muss in Deutschland zusätzlich Kirchensteuern (KiSt) zahlen. Bemessungsgrundlage für die Kirchensteuer ist die Jahreseinkommensteuer (Lohnsteuer) nach Abzug von Kinderfreibeträgen (§ 51a Abs. 2 EStG).

Steuer-Tipp: Sie können die gezahlte Kirchensteuer bei den Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen (§ 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Die Kirchensteuer senkt also die übrige Steuerlast. Ein weiterer Spartipp, die "Kirchensteuer-Kappung", steht am Ende dieses Artikels.

Tabelle Kirchensteuer in Deutschland

Der Steuersatz schwankt je nach Bundesland zwischen 8 und 9 Prozent der Einkommensteuer (Lohnsteuer). In einigen Kirchensteuergesetzen ist eine Mindestkirchensteuer vorgesehen. Für Arbeitnehmer ist das Bundesland maßgeblich, in dem die Arbeitsstelle liegt; für Selbstständige das Land, in dem sie wohnen:

BundeslandKirchensteuer (auf LSt, ESt, KapESt)Kappungssatz (aufs zu versteuernde Einkommen)KiSt-Pauschsatz (auf pauschalierte Lohnsteuer)
Stand: Juli 2011, Quelle: eigene Recherche
Baden-Württemberg (BW)8 Prozent
  • 2,75 Prozent Evangelische Kirche Württemberg, Berücksichtigung auf Antrag;
  • 3,5 Prozent Evangelische Kirche Baden und katholische Diözesen, Berücksichtigung auf Antrag
6 Prozent (bis 2010: 6,5 Prozent)
Bayern (BY/BAY)8 Prozent-- keine Kappung --7 Prozent
Berlin (BE)9 Prozent3 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen5 Prozent
Brandenburg (BB)9 Prozent3 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen5 Prozent
Bremen (HB)9 Prozent3,5 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen7 Prozent
Hamburg (HH)9 Prozent
  • 3 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen;
  • 3,5 Prozent für Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannover, Berücksichtigung von Amts wegen
4 Prozent
Hessen (HE)9 Prozent
  • 3,5 Prozent evangelische Kirchen, Berücksichtigung auf Antrag;
  • 4 Prozent katholische Diözesen, Berücksichtigung auf Antrag
7 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern (MV)9 Prozent
  • 3 Prozent für katholische Kirche, Berücksichtigung von Amts wegen;
  • 3,5 Prozent Pommersche Evangelische Kirche, Berücksichtigung auf Antrag ab 1. Juli 2007;
  • -- keine Kappung für Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg --
5 Prozent
Niedersachsen (NI)9 Prozent
  • 3,5 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen;
  • 3 Prozent Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche
6 Prozent
Nordrhein-Westfalen (NW/NRW)9 Prozent
  • 3,5 Prozent evangelische Kirchen, Berücksichtigung auf Antrag
  • 4 Prozent katholische Diözesen, Berücksichtigung auf Antrag
7 Prozent
Rheinland-Pfalz (RP)9 Prozent
  • 3,5 Prozent evangelische Kirchen, Berücksichtigung auf Antrag;
  • 4 Prozent katholische Diözesen, Berücksichtigung auf Antrag
7 Prozent
Saarland (SL)9 Prozent
  • 3,5 Prozent evangelische Kirchen, Berücksichtigung auf Antrag;
  • 4 Prozent katholische Diözesen, Berücksichtigung auf Antrag
7 Prozent
Sachsen (SN)9 Prozent3,5 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen (aber nicht bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren5 Prozent
Sachsen-Anhalt (ST)9 Prozent3,5 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen5 Prozent
Schleswig-Holstein (SH)9 Prozent3 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen6 Prozent
Thüringen (TH)9 Prozent3,5 Prozent, Berücksichtigung von Amts wegen5 Prozent

Der Kirchensteuerpauschsatz (rechte Spalte) kommt nur zum Einsatz, wenn die Lohnsteuer nicht individuell, sondern pauschal berechnet wird. Zum Beispiel wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Fahrtkosten ersetzt.

Persönliche Kirchensteuer berechnen

Geben Sie den gewünschten Zeitraum, Ihr Einkommen vor Steuern, Ihr Geburtsjahr und Ihr Bundesland ein (JavaScript erforderlich):

Hier stehen weitere Erklärungen zum Kirchensteuer-Rechner.

Wie werden Ehepartner bei der Kirchensteuer behandelt?

Wenn Eheleute verschiedenen steuerberechtigten Kirchen angehören (konfessionsverschiedene Ehe), dann kommt es auf die Kirchensteuersätze der beiden Religionsgemeinschaften an: Sind ihre Steuersätze gleich, dann wird die Kirchensteuer genauso berechnet wie bei gleicher Konfession und danach auf beide Kirchen aufgeteilt. Verlangen die Kirchen unterschiedlich hohe Steuern, wird erst die Bemessungsgrundlage geteilt (also die gemeinsame Einkommensteuer) und dann die Kirchensteuer beider Partner errechnet.

Beispiel: Ein Ehepaar (beide Kirchenmitglieder und kinderlos) wohnt in Nordrhein-Westfalen und erzielt 2011 ein Jahresgesamteinkommen von 120.000 Euro. Die Steuerrechnung des Ehepaars:

PostenBetrag
Jahresgesamteinkommen120.000 Euro
Einkommensteuer (laut Einkommensteuer-Rechner)34.056 Euro
Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der Einkommensteuer)+ 1.873 Euro
Kirchensteuer (9 Prozent der Einkommensteuer)+ 3.065 Euro
gesamte Steuerabzüge38.994 Euro

Ergebnis: Das Ehepaar zahlt 3.065 Euro Kirchensteuer

Wie werden Kapitalanleger bei der Kirchensteuer behandelt?

Auch bei der Abgeltungsteuer wird die Kirchensteuer mit 8 oder 9 Prozent berücksichtigt, je nach Wohnsitz des Anlegers.

Steuer-Tipp: Sie müssen Ihrer Bank mitteilen, ob Sie kirchensteuerpflichtig sind und welcher Kirche Sie angehören. Tun Sie dies nicht, behält die Bank oder der Broker keine Kirchensteuer ein. Sie sind damit verpflichtet, Ihre Kapitalerträge in Ihrer Einkommensteuererklärung anzugeben, damit nachträglich die Kirchensteuer abgeführt werden kann.

Wie werden Immobilienbesitzer bei der Kirchensteuer behandelt?

In einigen Regionen wird die Kirchensteuer zusätzlich vom Grundbesitz erhoben (zum Beispiel 10 Prozent des Grundsteuermessbetrags).

Kappung: Kirchensteuer sparen

Die Kirchensteuergesetzgebung der meisten Länder (Ausnahme: Bayern) und die entsprechenden Regelungen der meisten evangelischen Landeskirchen und der römisch-katholischen (Erz-)Bistümer ermöglichen Kirchenmitgliedern eine "Kappung" der Kirchensteuer, zumeist auf Antrag.

Dann zahlen Sie als Kirchenmitglieder nicht mehr 8 Prozent oder 9 Prozent auf die fällige Einkommensteuer, sondern zwischen 3 Prozent und 4 Prozent vom zu versteuernden Einkommen. Ist die Kappungsschwelle erreicht, bleibt der Kirchensteuersatz konstant. Bei hohen Einkommen ist das eindeutig die bessere Alternative.

Steuer-Tipps und Artikel zur Kirchensteuer:

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