Fehler des Finanzamts? Behalten Sie das Geld!

Es kommt immer wieder vor, dass das Finanzamt Fehler macht und Steuerzahlern zu viel Geld überweist. Ein Ehepaar aus dem Saarland zum Beispiel erhielt 85.178 Euro zu viel. Lesen Sie hier, ob die Eheleute den Geldsegen vom Finanzamt behalten dürfen. In einem älteren Fall verrechnete sich das Finanzamt um rund 1 Million Euro, weil es Gewinn und Verlust verwechselte.

Checkliste: Fehler des Fiskus ausnutzen

Hat Ihr Finanzamt Ihnen ebenfalls zu viel Geld überwiesen? Möchten Sie das Geld behalten? Mit dieser Checkliste aus Steuer-Tipps erhöhen Sie Ihre Aussicht auf Erfolg.

  • Tipp 1: Halten Sie gegenüber Ihrem Finanzamt den Mund. Sie sind nicht verpflichtet, ihm seinen Fehler zu melden. Ihre Mitwirkungspflicht endet damit, eine vollständige und zutreffende Steuererklärung abzugeben.
  • Tipp 2: Halten Sie gegenüber jedem anderen Menschen den Mund. Beamte sind immer im Dienst und müssen solche Informationen melden, egal ob Sie an der Kneipentheke oder im Freundeskreis mit dem Geldsegen prahlen. Auch Ihren Freunden, Verwandten, Liebhabern und Mitarbeitern sollten Sie in dieser Hinsicht nicht trauen - denn die meisten (anonymen) Hinweise der Steuerfahndung stammen aus dem persönlichen Umfeld.
  • Tipp 3: Sie machen sich nicht wegen Steuerhinterziehung oder Steuerverkürzung strafbar, wenn Sie bei einem Fehler des Finanzamts schweigen. Dies ist einhellige Meinung der Finanzverwaltung und wurde
    wurde 2012 vom Bundesfinanzhof (BFH) bestätigt.
  • Tipp 4: Legen Sie keinen Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein. (Ausnahme: Es geht um sehr viel Geld in anderen Punkten und die Erfolgsaussicht ist groß.) Während des Einspruchsverfahrens würde das Finanzamt den Fehler mit 100-prozentiger Sicherheit entdecken und berichtigen. Ihr Ziel ist es hingegen, dass der Bescheid so schnell wie möglich rechtskräftig wird. Das ist einen Monat nach Erhalt des Steuerbescheids der Fall.
  • Tipp 5: Die Verjährungsfrist beträgt 5 volle Jahre und beginnt nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem Ihr Steuerbescheid rechtskräftig wurde. Beispiel: Das Finanzamt überweist Ihnen 20.000 Euro zu viel. Sie lassen die Einspruchsfrist verstreichen und der Bescheid wird am 7. Juni 2016 rechtskräftig. Wenn sich das Finanzamt nicht wegen des Fehlers bei Ihnen meldet, gehört das Geld ab dem 1. Januar 2022 Ihnen.
  • Tipp 6: Besprechen Sie den Fall mit Ihrem Steuerberater. Vor allem, wenn es um viel Geld geht. Nur ein Fachmann kann sicher beurteilen, ob die Verjährungsfrist wirklich zu laufen begann oder ob ein Einspruch in anderer Sache mehr Erfolg verspricht.
  • Tipp 7: Investieren Sie den Geldsegen. Denn falls das Finanzamt seinen Fehler bemerkt, verlangt es nicht nur das Geld zurück, sondern auch 6 Prozent Zinsen pro Jahr.
  • Tipp 8: Sorgen Sie sich nicht, das Finanzamt könnte wegen der plötzlichen Zinseinkünfte hellhörig werden und nachforschen, woher das investierte Kapital stammt (siehe Tipp 7). Denn wegen der Abgeltungsteuer bekommt der Fiskus nichts mit. Die Banken melden schließlich nicht, dass Herr Cleverle plötzlich 1.000 Euro mehr Erträge hat. Auch die Bank wird nicht misstrauisch, schließlich stammt das Geld vom seriösen Finanzamt.
  • Tipp 9: Behalten Sie das Geld. Geben Sie es nicht aus, solange es Ihnen nicht sicher gehört. Zum einen will der Staat es sofort haben, falls er es zurückfordert. Zum anderen könnte ein neidischer Nachbar dem Finanzamt melden, dass Sie als Schreinergeselle neuerdings einen Porsche fahren. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass nach einem solchen Kauf die Steuerfahndung bei Ihnen klingelt, es kann aber geschehen.
  • Tipp 10: Belassen Sie das Geld auf dem Konto, auf dem es ankam. Wer regelmäßig fünfstellige Beträge umschichtet oder abhebt, macht sogar noch den Grüßonkel im Bankfoyer misstrauisch.
  • Tipp 11: Verhalten Sie sich auch in den folgenden Jahren brav. Tun Sie nichts, was das Finanzamt auf Sie aufmerksam machen und zu einer tieferen Überprüfung veranlassen könnte. Übertreiben Sie das Steuersparen nicht, geben Sie Ihre Kilometerpauschale korrekt an und drücken Sie keinen Trick und keine umstrittenen Kosten partout durch. Wenn Sie Arbeitnehmer sind, lassen Sie das Arbeitsverhältnis möglichst weiterlaufen, denn Arbeitnehmer werden kaum geprüft.

Weitere Artikel und Tipps über Fehler des Finanzamts:

Kontopfändung durch das Finanzamt - was tun?

Kontosperrung durch das Finanzamt vom 30. Januar 2015 (aktualisiert am 10. August 2017)

Wie Sie Ihr Konto vor einer (unberechtigten) Sperrung durch das Finanzamt schützen und eine Zahlungsunfähigkeit oder negativen Schufa-Eintrag vermeiden - mit Checkliste und Strategien.[weiterlesen...]

Was tun, wenn sich das Finanzamt um 1 Million Euro verrechnet?

vom 15. April 2013 (aktualisiert am 09. November 2015)

Rechenfehler des Fiskus: Augen zu und durch oder mit einem Bein im Gefängnis? Welche Rechte und Pflichten Steuerzahler bei einem Fehler des Finanzamts haben.[weiterlesen...]

85.000 Euro vom Finanzamt knallhart behalten

vom 09. Februar 2013 (aktualisiert am 09. November 2015)

Wie ein saarländisches Ehepaar einen Fehler des Finanzamts ausnutzte und trotzdem nicht ins Gefängnis musste.[weiterlesen...]

Finanzamtscomputer übersehen häusliches Arbeitszimmer

vom 19. Februar 2011 (aktualisiert am 09. November 2015)

Was Arbeitnehmer und einige Selbstständige jetzt tun müssen, damit das Finanzamt ihre Ausgaben fürs häusliche Arbeitszimmer berücksichtigt.[weiterlesen...]

BFH: Nur Ermittlungen der Steuerfahndung unterbrechen die Verjährungsfrist

vom 25. März 2010 (aktualisiert am 09. November 2015)

Warum ein Steuerhinterzieher trotz Selbstanzeige weder Steuern noch Zinsen zahlen musste und was das Urteil für andere Steuerpflichtige bedeutet.[weiterlesen...]

Fehler im Steuerbescheid nachträglich berichtigen

vom 14. Juli 2006 (aktualisiert am 09. November 2015)

Auch wenn die einmonatige Einspruchsfrist abgelaufen ist, können Sie Ihren Steuerbescheid noch ändern - nämlich dann, wenn Sie einen offensichtlichen Fehler gemacht haben, den das Finanzamt hätte erkennen müssen. Im Urteilsfall...[weiterlesen...]

Amtshaftung: Finanzamt zahlt volles Steuerberaterhonorar

vom 11. August 2005 (aktualisiert am 09. November 2015)

Das Finanzamt haftet bei eigenen Fehlern auch für dadurch entstandene höhere Steuerberaterkosten, entschied das Landgericht Potsdam (Aktenzeichen: 4 O 220/04). Im Urteilsfall hatte der Sachbearbeiter Vorjahresdaten im Computer...[weiterlesen...]

Böse Falle: Ein Fremder kann "Ihre" Steuerdaten abgeben

vom 08. Februar 2005 (aktualisiert am 09. November 2015)

Ein Neider, ein Konkurrent, ein unzufriedener Geschäftspartner oder früherer Mitarbeiter – er braucht bloß Ihre Steuernummer zu kennen, und schon kann er in Ihrem Namen und ohne Ihr Wissen erfundene Steuerdaten ans Finanzamt...[weiterlesen...]

Anzeige:

Finden Sie den passenden Steuerberater

Ageras macht den Markt für Steuerberatung durchsichtig. Die Unterschiede zwischen Kanzleien sind riesig und viele Suchende wissen nicht, welcher Berater am besten für sie ist. Ageras ist ein unabhängiger Vermittler und findet mit Ihnen zusammen kostenlos die passenden Fachleute: