Warum Unternehmer endlich auf Online-Banking umsteigen sollten

vom 24. Juni 2015 (aktualisiert am 01. Juli 2015)
Von: Lutz Schumann

Liebe Leserin, lieber Leser,

nutzen Sie in Ihrem Büro oder auf dem bequemen Sofa zu Hause bereits Online-Banking? Oder schreiben Sie Überweisungen noch klassisch von Hand? Ich hoffe, Sie runzeln die Stirn, dass ich so etwas überhaupt frage. Doch in zahlreichen Gesprächen mit Selbstständigen habe ich kurioserweise festgestellt, dass viele von ihnen noch papierene Überweisungsträger mit einem Kugelschreiber ausfüllen und per (Brief-)Post an ihre Hausbank senden oder die gesammelten Überweisungsformulare in deren Filialbriefkasten werfen. Vor allem ältere Handwerker, Ladenbetreiber und Freiberufler arbeiten noch so - entweder weil sie es schlichtweg gewohnt sind oder weil sie der "Neuland"-Technologie nicht trauen.

Ich persönlich halte dieses altertümliche Vorgehen wirtschaftlich für grob fahrlässig. Denn es bindet Ressourcen, die Sie in den Ausbau Ihres Unternehmens investieren könnten. Oder in Ihre Freizeit, falls Ihnen kein potenzieller Kunde mehr zum Anrufen einfällt.

Warum die handschriftliche Überweisung gefährlich ist

Außerdem sind handschriftliche Überweisungen unsicherer geworden: Seit Umstellung des Zahlungsverkehrs auf den SEPA-Standard zum 1. Januar 2014 birgt die manuelle Überweisung Risiken. Schuld daran sind die Ziffernungetüme IBAN (= International Bank Account Number), die neue internationale Kontonummer und die BIC (= Business Identifier Code), welche die alte Bankleitzahl ersetzt.

Die IBAN umfasst in Deutschland 22 Stellen. Auf Malta übrigens 31 Stellen. Warum die europaweite Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs kurioserweise nicht so weit geht, dass alle IBAN und der BIC die gleiche Länge haben, muss man nicht unbedingt verstehen.

22 Zahlen und zum Teil Buchstaben richtig in das Überweisungsformular der Bank einzutragen, ist schon eine Glanzleistung. Vor allem, wenn man wie ich nicht mehr ohne Lesebrille auskommt. Ehrlich, ich würde das höchstens in der Hälfte der Fälle schaffen.

Der Vorteil des Online-Bankings zeigt sich dann sofort: Das Programm prüft die eingegebene IBAN automatisch und schlägt Alarm, wenn ich mal wieder eine Zahl vergessen oder einen Zahlendreher eingebaut habe.

Bei einer klassischen Überweisung wäre dieser Fehler erst in der Bank aufgefallen - falls überhaupt! Denn seit Einführung des SEPA-Verfahrens prüfen nicht mehr alle Kreditinstitute automatisch, ob Empfängername und Kontonummer übereinstimmen. Im schlimmsten Fall landet mein Geld beim falschen Empfänger auf dem Konto. Im besten Fall führt meine Bank die Überweisung nicht aus und schickt mir ein paar Tage später einen Standardbrief (den ich wahrscheinlich bezahlen muss). Der Empfänger wartet währenddessen auf sein Geld.

Zahlung und Auswertung jederzeit an jedem Ort

Ein weiterer Vorteil der elektronischen Überweisung: Ich kann diese zu jeder Tages- und Nachtzeit, ja auch von (fast) jedem Ort der Welt online an meine Hausbank schicken und einen Blick auf den aktuellen Kontostand werfen. Um Öffnungszeiten brauche ich mich nicht zu kümmern.

Angesichts dieser Vorteile halte ich es als Freiberufler aus wirtschaftlicher Sicht für fahrlässig, kein Online-Banking zu nutzen. Der Zeitaufwand und die Fehlerquellen beim Ausfüllen am PC sind erheblich geringer. Wiederkehrende Überweisungen können gespeichert werden.

Auch die Auswertung meiner Bankgeschäfte gestaltet sich komfortabler als mit einem Papierausdruck. Dank Exportfunktionen in verschiedene Dateiformate kann ich die Bankdaten weiterverarbeiten, zum Beispiel mit einer Tabellenkalkulation oder einer Buchhaltungssoftware.

Ich kann die Software sogar auswerten lassen, ob meine Kunden pünktlich bezahlt haben. Falls nicht, geht automatisch eine Erinnerung per E-Mail an den Kunden raus - ohne einen Handschlag meinerseits. Ich sehne mich wirklich nicht nach der Zeit zurück, als ich alle ein oder zwei Wochen Häkchen auf schriftliche Kontoauszüge kritzeln und Zahlungserinnerungen drucken musste. Welche Funktionen die Online-Banken im Detail bieten, lesen Sie in diesem 2015er Testbericht samt Vergleichstabelle.

Welche Vorteile und Nachteile Online-Banking hat

Die oben genannten und weitere Vorteile des Online-Bankings im Überblick:

  • Bankdaten des Empfängers aus seiner elektronischen Rechnung in die Online-Banking-Software kopieren - fehlerfrei.
  • Automatische Prüfung, ob Empfänger und Bankdaten übereinstimmen.
  • Automatisches Umrechnen alter Kontonummern in IBAN etc.
  • Speichern und schnelles Aufrufen der Bankdaten wiederkehrender Empfänger.
  • Überweisung zu jeder Zeit und an fast jedem Ort möglich.
  • Kontostand jederzeit im Blick.
  • Kein Gang zur Bankfiliale oder Postbriefkasten, keine Postlaufzeit.
  • Zeitersparnis und Freisetzung von Ressourcen.
  • Reine Online-Banken sind oft sehr günstig.
  • Keine Betragsbegrenzung bei SEPA-Überweisungen in Euro. Ausnahme: Bei Auslandsüberweisungen über 12.500 Euro besteht wegen der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) eine Informationspflicht der Bundesbank.
  • Schnellere Buchung und schnellerer Zufluss des Rechnungsbetrags: Gutschrift bei beleglosen SEPA-Online-Überweisungen spätestens am Tag nach der Beauftragung des zahlenden Kreditinstituts, auch bei Auslandsüberweisungen.
  • Leichtere Auswertung, ob die eigenen Kunden bezahlt haben.
  • Leichtere Auswertung der Geschäftszahlen.

Die Nachteile des Online-Bankings:

  • Wenigstens eine (kurze) Einweisung in die Software und Vorgehensweise erforderlich.
  • Jeder Kunde trägt die Entgelte für die Überweisung selbst, zum Beispiel für eine Auslandsüberweisung. Eine Übernahme durch den Zahlenden ist nicht möglich.
  • Sie brauchen für eine Online-Überweisung technische Geräte, zum Beispiel einen Computer oder ein Smartphone. Bei Unternehmern gehe ich davon aus, dass sie diese besitzen. Privatleute hingegen haben nicht zwingend einen Rechner zu Hause stehen.
  • Betrüger können elektronische Geräte und Software austricksen. Doch wenn Sie die Sicherheitsregeln einhalten und vor allem keine Passwörter an Dritte weitergeben, kann man Ihnen als Opfer eines Internetbetrugs keine Fahrlässigkeit vorwerfen. Außerdem ist dies keine Online-Besonderheit: Auch herkömmliche Überweisungsträger lassen sich fälschen, vermeintliche Enkel oder falsche Bekannte überrumpeln den Kontoinhaber mit einer rührseligen Geschichte.

Risiken sind überschaubar

Zugegeben, Online-Banking ist nicht ohne Risiken. Doch durch die Umstellung von der früher üblichen Papier-TAN-Liste mit Nummern für die Überweisungen auf die Zusendung per SMS oder einer Generierung per persönlichem TAN-Generator ist Online-Banking sicherer geworden. Wenn der PC zudem mit einer funktionierenden Firewall und einem aktuellen Virenscanner ausgestattet ist, ist das Risiko überschaubar.

Ich für meinen Teil möchte nicht mehr auf Online-Banking verzichten. Dank dieser Erleichterung bleibt mir mehr Zeit für mein Tagesgeschäft, meine Familie und meine Freizeit.

Herzlichst, Ihr

Unterschrift Lutz Schumann

Lutz Schumann
Chefredakteur und Herausgeber


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