Neue Betriebsgrößenklassen: Welche Unternehmen und Freiberufler wann geprüft werden

vom 20. Mai 2013 (aktualisiert am 06. Juni 2013)
Von: Lutz Schumann

Das Bundesfinanzministerium hat neue Größenklassen für Unternehmen herausgegeben, gültig ab 1. Januar 2013. Von dieser Einteilung in Groß-, Mittel-, Klein- und Kleinstbetriebe hängt es ab, wie groß das Risiko einer Betriebsprüfung ist. Während ein Kleinstbetrieb rein statistisch ein Mal in 100 Jahren geprüft wird, müssen große Unternehmen alle 4 bis 5 Jahre damit rechnen. Auch Kapitalanleger und Immobilienbesitzer sind betroffen. Nach der Betriebsgröße bemisst sich außerdem, welche Zahlen eine Kapitalgesellschaft veröffentlichen muss.

Steuer-Tipp: Versuchen Sie, Ihren Gewinn unter die neuen Grenzen zu drücken, zum Beispiel mit hohen Ansparabschreibungen oder Investitionen. Mit welchen Kosten und Ärger eine Betriebsprüfung je nach Firmengröße verbunden ist, steht in der zweiten Tabelle unten.

In welche Größenklasse fällt Ihr Unternehmen? Hier ein Überblick über die wichtigsten Kategorien:

Größenklassen für Betriebsprüfungen ab 2013:
FirmenartMerkmalFirmengröße über ... in Euro
GroßbetriebMittelbetriebKleinbetrieb
HandelsbetriebeUmsatz7,3 Millionen Euro900.000 Euro170.000 Euro
Gewinn280.000 Euro56.000 Euro36.000 Euro
FertigungsbetriebUmsatz4,3 Millionen Euro510.000 Euro170.000 Euro
Gewinn250.000 Euro56.000 Euro36.000 Euro
Freie BerufeUmsatz4,7 Millionen Euro830.000 Euro170.000 Euro
Gewinn580.000 Euro130.000 Euro36.000 Euro
Land- und forstwirtschaftliche Betriebe (LuF)Umsatz230.000 Euro105.000 Euro47.000 Euro
Gewinn125.000 Euro65.000 Euro36.000 Euro
Fälle mit bedeutenden Einkünften (bei Privatpersonen)Summe der positiven Einkünfte (keine Verlustverrechnung)500.000 Euro--
Quelle: Bundesfinanzministerium (BMF-Schreiben vom 22. Juni 2012, Aktenzeichen: IV A 4 - S 1450/09/10001)

Wird mindestens eine der beiden Grenzen (Umsatz oder Gewinn) innerhalb einer Größenklasse übersprungen, dann gilt diese Größenklasse für den Betrieb. Beispiel: Ein Fertigungsbetrieb erzielte 2012 bei einem Umsatz von 450.000 Euro einen Gewinn von 65.000 Euro. Das Unternehmen soll im Jahr 2013 gepüft werden. Das Finanzamt stuft es als Mittelbetrieb ein, da sein 2012er Gewinn die Gewinngrenze von 56.000 für Mittelbetriebe übersteigt.

Wie häufig Unternehmen geprüft werden

Betriebsprüfungen *1) im Jahr 2011
Art des BetriebsDurchschnittlicher PrüfungsrythmusAnzahl der BetriebsprüfungenSumme der SteuernachzahlungenDurchschnittliche Nachzahlung eines geprüften Betriebs
Großbetriebealle 4,6 Jahre41.764 (21,8 Prozent) *2)12,5 Milliarden Euro299.301 Euro
Mittelbetriebealle 15,2 Jahre52.679 (6,6 Prozent) *2)1,3 Milliarden Euro24.678 Euro
Kleinbetriebealle 29,9 Jahre39.779 (3,3 Prozent) *2)0,8 Milliarden Euro20.111 Euro
Kleinstbetriebealle 101,0 Jahre63.296 (1 Prozent)2)0,7 Milliarden Euro11.237 Euro
Quelle: eigene Berechnungen anhand BMF-Zahlen, Stand: Mai 2013
*1) Nur steuerliche Betriebsprüfungen, ohne Sonderprüfungen
*2) In Klammern: prozentualer Anteil der geprüften zur Gesamtzahl der Unternehmen der jeweiligen Größenklasse
Fazit: Je größer der Betrieb, desto häufiger wird er geprüft. Außerdem mussten Großbetriebe 2011 nach der Betriebsprüfung mehr Steuern nachzahlen.


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