Mit dem Studium langfristig Steuern sparen

vom 13. Mai 2012 (aktualisiert am 17. November 2015)
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Von: Lutz Schumann

Studierende sparen im späteren Berufsleben viele tausend Euro Steuern, wenn sie jetzt ihre Ausgaben fürs Studium als Werbungskosten geltend machen. Um welche Beträge es geht, zeigt die Beispielrechnung weiter unten.

Allerdings ist noch nicht klar, ob allen Studenten für ihr Erststudium oder ihre Erstausbildung der volle Werbungskostenabzug zusteht. Zuletzt entschied der Bundesfinanzhof 2014 (und zuvor 2011) zugunsten der Studenten. Das letzte Wort hat nun das Bundesverfassungsgericht. Schlimmstenfalls müssen sie sich mit dem begrenzten Sonderausgabenabzug begnügen.

Der Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben ist erheblich: Bei den Sonderausgaben ist der Abzug für die erstmalige Berufsausbildung seit 1. Januar 2012 für viele Studenten auf 6.000 Euro pro Jahr begrenzt (von 2004 bis 2011 betrug die Grenze 4.000 Euro). Außerdem verdienen Studenten in der Regel so wenig Geld, dass ihnen jedes Jahr ein Verlust entsteht. Verluste aus Sonderausgaben jedoch lassen sich nicht mit Gewinnen in anderen Jahren verrechnen.

Ein Verlust aus Werbungskosten hingegen lässt sich mehrere Jahre in die Zukunft vortragen (und ins vergangene Jahr zurück). Wenn der Student nach seinem Abschluss Vollzeit arbeitet und ein nennenswertes Gehalt bezieht, macht er seine mitgeschleppten Verluste Steuern mindernd geltend. Dadurch ist es denkbar, mehrere tausend Euro Steuern zu sparen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Beispielrechnung für den Steuervorteil durch Werbungskostenabzug gegenüber Sonderausgabenabzug

Beispiel: Matze Clever stammt aus Koblenz und studiert Betriebswirtschaftslehre in Köln, wo er eine Zweitwohnung bezieht. Sein Vater Max unterstützt ihn mit 650 Euro im Monat. Zusätzlich arbeitet Matze auf Minijob-Basis und verdient rund 3.000 Euro im Jahr. Der Unterhalt spielt für ihn steuerlich keine Rolle, der Minijob ist bereits pauschal abgegolten. Am Ende des Jahres betragen die steuerpflichtigen Einkünfte des Studenten also null.

Matzes Lebensmittelpunkt bleibt Koblenz, weswegen er Kosten für eine doppelte Haushaltsführung geltend machen kann. Die Miete der Zweitwohnung in Köln beläuft sich auf 4.800 Euro im Jahr. Wir schätzen seine Fahrtkosten für 20 Heimfahrten auf 200 Euro, da er kein Auto besitzt und weitestgehend sein Semesterticket nutzt. Studiengebühren und Semesterbeitrag belaufen sich auf 650 Euro pro Semester, also 1.300 Euro pro Jahr. Fachbücher und Computer (anteilig) kosten ihn rund 300 Euro jährlich. Das ergibt jährliche Ausgaben von 6.600 Euro.

Er beendet sein Studium nach 5 Jahren erfolgreich und findet eine Stelle als Controller bei einem großen deutschen Autobauer. Sein Einstiegsgehalt beträgt 40.000 Euro jährlich. Während des gesamten Beispiels bleibt er unverheiratet. Die folgende Rechnung zeigt, welchen finanziellen Unterschied es ergibt, ob die Ausgaben fürs Studium als Sonderausgaben oder Werbungskosten zählen:

PostenBetrag
steuerlich relevante Einnahmen0 Euro
Ausgaben- 6.600 Euro
a) Sonderausgabenabzug
jährliche Ausgaben gedeckelt auf4.000 Euro
steuerlich relevante Ausgaben (mangels Einnahmen zum Verrechnen)0 Euro
Verlustvortrag nach 5 Jahren0 Euro
Gehalt im 1. Jahr nach abgeschlossenem Studium40.000 Euro
Steuern darauf (gerundete Zahllast laut Steuertabelle 2010 bei rund 22,42 Prozent Steuersatz; 920 Euro Werbungskostenpauschale sind bereits berücksichtigt)8.764 Euro
b) Werbungskostenabzug
steuerlich relevante Ausgaben (Finanzamt erkennt Werbungskosten voll an)6.600 Euro
Verlustvortrag nach 5 Jahren33.000 Euro
Gehalt im 1. Jahr nach abgeschlossenem Studium40.000 Euro
zu versteuernder Betrag nach Abzug des Verlustvortrags von 33.000 Euro und 920 Euro Werbungskosten-Pauschbetrag6.080 Euro (*)
Steuerbetrag: unterhalb des Grundfreibetrags von 7.834 (Wert aus 2010)0 Euro (*)
Finanzieller Vorteil durch die Anerkennung der Studiumskosten als Werbungskosten (b) statt Sonderausgaben (a)8.764 Euro
(*) Genau genommen wären hier weitere Steuerabzüge des Angestellten in seinem ersten Berufsjahr zu berücksichtigen, worauf wir zur Vereinfachung verzichten. Je nach Gestaltung lässt sich ein Verlust auch ins zweite Berufsjahr übertragen.

Wer darf sein Studium als Werbungskosten absetzen?

Der Bundesfinanzhof (BFH) erlaubte den Werbungskostenabzug im Juni 2009 für Studenten, die vor ihrem Erststudium eine Berufsausbildung abgeschlossen haben (Aktenzeichen: VI R 14/07). Auch Studenten, die ein duales Studium absolvieren, können die Aufwendungen hierfür als Werbungskosten absetzen, da ein direkter Zusammenhang mit den Einnahmen aus den Ausbildungsvergütungen besteht.

Steuer-Tipp: Auch wenn Sie nicht zu diesen Gruppen gehören und ihr Finanzamt bislang nur Sonderausgaben anerkannt hat, haben Sie eine Chance auf den Werbungskostenabzug. Informationen und ein Musterschreiben dafür finden Sie im Artikel "Volle Werbungskosten für Studium und Ausbildung".

Fazit: Als Student mit oder ohne abgeschlossene Berufsausbildung sollten Sie ab sofort eine Steuererklärung abgeben und in der "Anlage N" sämtliche Studienkosten als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen. Ihr Ziel ist es, während Ihrer finanziell kärglichen Jahre als Student Verluste anzusammeln, mit denen Sie später im Berufsleben Steuern sparen. Hier finden Sie eine Liste der typischen Werbungskosten für Studenten.


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