Steuermoral Teil II: Vertrauen schafft höhere Steuereinnahmen

vom 22. September 2008 (aktualisiert am 03. Januar 2012)
Von: Lutz Schumann

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie lässt sich die Steuermoral erhöhen? Mit dieser Frage im Raum habe ich mich in der vergangenen Ausgabe meines Steuer-Newsletters von Ihnen verabschiedet. Heute kommt die versprochene Auflösung.

Zuvor eine kurze Zusammenfassung, wie Wirtschaftswissenschaftler entdeckt haben, dass es den Faktor "Steuermoral" überhaupt gibt: Anhand von Formeln errechneten sie, wie viele Menschen in verschiedenen Ländern der Erwartung nach Steuern hinterziehen müssten. In die Formel flossen unter anderem das Entdeckungsrisiko und die angedrohte Strafe für Steuerhinterziehung ein. Das Ergebnis: Laut theoretischer Formel hätten in den untersuchten Jahren deutlich mehr Menschen Steuern hinterziehen müssen, als es tatsächlich der Fall war.

Weitere Forschungen ließen den Schluss zu, dass der Faktor "Steuermoral" in uns verwurzelt ist. So abstrakt der Zusammenhang zwischen einbehaltener Lohnsteuer und Staatsausgaben in der heutigen Zeit auch sein mag: Die Steuerzahler scheinen ihn zu sehen. Auf der einen Seite poltern sie: "Die da oben machen, was sie wollen!" oder "Da blickt eh keiner mehr durch, wofür die Politiker unser Geld rauswerfen!" Doch auf der anderen Seite erkennen sie, dass es kaum Schlaglöcher auf deutschen Autobahnen gibt und dass die Straßen nachts beleuchtet sind. Sie bekommen etwas zurück für ihr Geld und deshalb sind sie bereit zu zahlen. Sogar Unternehmen: Bei vielen Selbstständigen geht die Unterstützung so weit, dass sie eben keine Betriebe Steuern sparend ins Ausland verlagern, sondern öffentlichkeitswirksam den Standort Deutschland loben.