Bitcoins richtig versteuern

Unternehmer können Waren und Dienstleistungen in Bitcoins bezahlen oder verkaufen. Anleger erzielen steuerpflichtige Gewinne oder Verluste aus dem Handel mit Bitcoins. In diesem Artikel lesen Sie:

  • wie Unternehmer und Freiberufler ihre Zahlungen mit Bitcoins verbuchen,
  • wie Kapitalanleger ihre Gewinne richtig berechnen,
  • wie sie Verluste Steuern mindernd verrechnen und
  • wie sie ihre Geschäfte mit Bitcoins beim Finanzamt angeben.

Hintergrund: Bitcoin sind eine rein digitale Währung, die übers Internet gehandelt wird. Mit ihr können Sie alle Waren und Dienstleistungen bezahlen - also nicht nur im Internet, sondern auch in realen Geschäften. Sie können Ihre Bitcoins an gemeinnützige Vereine spenden oder als Internetwährung wie Aktien oder "normale" Währungen auf verschiedenen Internetplattformen handeln und gegen Euro oder Dollar tauschen.

Wie betriebliche Bitcoin-Transaktionenen steuerlich behandelt werden

Für das Finanzamt sind Bitcoins das Gleiche wie eine ausländische Währung. Daher gilt der Umrechnungskurs zwischen Euro und Bitcoin am Tag der Transaktion. Wenn Sie als Selbstständige(r) mit Bitcoins bezahlen oder diese Währung als Zahlungsmittel annehmen, heißt das: Rechnen Sie den Betrag in Euro um, um die Höhe Ihrer Betriebseinnahme oder Betriebsausgabe zu ermitteln. Drucken Sie den aktuellen Umrechnungskurs aus und heften diesen an Ihre Kopie der Ausgangs- oder Eingangsrechnung.

Beispiel 1: Max Clever betreibt einen Internetshop und ist begeistert von neuen Technologien. Deshalb bietet er als Zahlungsmittel auch Bitcoins an. Er verkauft am 29. Mai 2013 einen Tablet-PC für 3 Bitcoins an einen Kunden.

Um alles richtig zu machen, muss Clever am 29. Mai 2013, also am Tag, an dem er den Tablet-PC verkauft hat, den aktuellen Wert der Bitcoins ermitteln. Er besucht die Internetseite www.bitcoin.de, wo der aktuelle Umrechnungskurs steht. Clever entnimmt den Umrechnungskurs von 96,40 Euro pro Bitcoin und druckt diesen für seine Buchführung aus. Er wendet diesen Umrechnungskurs auf seine verkaufte Ware an:

Rechnung 1:

PostenBetrag
Einnahme: 3 Bitcoins * 96,40 Euro289,20 Euro
Nettowert: 289,20 Euro / 1,19243,02 Euro
darauf 19 Prozent Umsatzsteuer:46,18 Euro

Das Gleiche gilt, wenn Sie Waren für Ihr Unternehmen einkaufen und mit der Interwährung Bitcoins bezahlen wollen. Rechnen Sie Ihren Warenwert mit dem aktuellen Umrechnungskurs der Bitcoins zum Zeitpunkt des Einkaufs in Euro um. So erhalten Sie den Betrag, den Sie als Betriebsausgabe in Ihrer Gewinnermittlung geltend machen.

Beachten Sie: Sind Sie vorsteuerberechtigt, dann benötigen Sie für den Vorsteueranspruch eine Rechnung mit offen ausgewiesener Umsatzsteuer. Daher sollten Sie unbedingt eine Rechnung verlangen, die in Euro ausgestellt ist.

Wie der private Bitcoin-Handel besteuert wird

Der Kauf und spätere Verkauf von Bitcoins stellt ein privates Veräußerungsgeschäft dar, für das eine so genannte Spekulationsfrist von einem Jahr gilt. Etwaige Gewinne sind gemäß § 23 EStG steuerpflichtig, wenn Sie die Währung kürzer als ein Jahr halten. Entscheidend sind die Zeitpunkte des Kaufs und des Verkaufs Ihrer Bitcoins. Liegen zwischen dem Kauf und dem Verkauf weniger als ein Jahr, müssen Sie die Spekulationsgewinne in der Einkommensteuererklärung auf der Anlage SO angeben. Liegt mehr als ein Jahr zwischen dem Kauf und dem Verkauf, wird der Handel nicht besteuert.

Beispiel 2: Am 2. Januar 2010 hat Gerda Geduldig 10 Bitcoins für 5.000 Euro gekauft. Am 24. Mai 2011 verkaufte sie die Bitcoins für 9.400 Euro.

Ergebnis 2: Geduldigs Gewinn in Höhe von 4.400 Euro unterliegt nicht der Einkommensteuer, da die Spekulationsfrist von einem Jahr abgelaufen ist.

Beispiel 3: Auch Heinz Hektik hat am 2. Januar 2010 Bitcoins gekauft, ebenfalls 10 Stück für 5.000 Euro. Am 15. Oktober 2010 geht Hektiks Auto kaputt. Er verkauft seine Bitcoins für 7.500 Euro, um die Reparatur zu bezahlen.

Ergebnis 3: Heinz Hektiks Gewinn in Höhe von 2.500 Euro ist als privates Veräußerungsgeschäft gemäß § 23 Einkommensteuergesetz steuerpflichtig. Er muss den Gewinn in seiner Einkommensteuererklärung auf der Anlage SO angeben und mit seinem individuellen Steuersatz versteuern.

Freigrenze für private Veräußerungsgeschäfte

Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften bleiben steuerfrei, wenn der Gesamtgewinn aller Veräußerungen im Kalenderjahr weniger als 600 Euro beträgt. Es handelt sich um eine so genannte Freigrenze: Liegt der Gesamtgewinn über 600 Euro, ist er komplett steuerpflichtig. Erzielen Sie also einen Veräußerungsgewinn von 650 Euro, müssen Sie nicht etwa 650 Euro - 600 Euro = 50 Euro versteuern, sondern die gesamten 650 Euro.

Bitcoins werden in der Fifo-Reihenfolge verkauft

Ein häufiger Fall ist, dass Sie Bitcoins kaufen und zu einem späteren Zeitpunkt weitere Bitcoins hinzukaufen. Wenn Sie einen Teil dieser Währung verkaufen, stellt sich also die Frage, ob für die Spekulationsfrist und die Besteuerung der Zeitpunkt des ersten oder des zweiten Kaufs betrachtet wird. Für diesen Fall ist nach dem First-in-First-out-Verfahren vorzugehen, kurz: "Fifo". Was Sie zuerst gekauft haben, wird auch zuerst verkauft.

Beispiel: Am 1. Februar 2012 kaufen Sie 10 Bitcoins für 5.000 Euro. Am 25. März 2012 kaufen Sie weitere 10 Bitcoins für 5.500 Euro. Am 28. Mai 2012 verkaufen Sie insgesamt 15 Bitcoins und erzielen einen Verkaufspreis von 9.000 Euro.

Rechnung:

PostenBetrag
Veräußerungspreis pro Bitcoin: 9.000 Euro / 15 Bitcoins600 Euro
Veräußerungspreis der ersten Fuhre: 10 * 600 Euro6.000 Euro
Kaufpreis der 10 zuerst angeschafften Bitcoins- 5.000 Euro
Veräußerungsgewinn Teil 1 (erster Kauf)=1.000 Euro
Veräußerungspreis der übrigen 5 Bitcoins: 5 * 600 Euro3.000 Euro
Anschaffungskosten dieser 5 Bitcoins: 5.500 Euro / 10 * 5- 2.750 Euro
Veräußerungsgewinn Teil 2 (zweiter Kauf)= 250 Euro
Gesamtgewinn (Teile 1+2): 1.000 Euro + 250 Euro1.250 Euro

Ergebnis: Sie müssen in Ihrer Steuererklärung 1.250 Euro als Gewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften angeben. Sie versteuern diesen Betrag mit Ihrem persönlichen Steuersatz zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Sie besitzen immer noch 5 Bitcoins aus dem zweiten Kauf. Ob diese steurpflichtig werden, hängt davon ab, ob Sie sie vor oder nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist abstoßen.

Verluste aus dem Bitcoin-Handel verrechnen?

Viel diskutiert ist die Frage, ob ein Steuerpflichtiger auch einen Verlust aus dem Handel mit Bitcoins in seiner Einkommensteuererklärung geltend machen kann. Der Fall ist in der Rechtsprechung nicht abschließend geklärt. Grundsätzlich muss das Finanzamt auch die Verluste aus solchen Geschäften berücksichtigen. Jedoch sind die Verluste nur mit anderen Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechenbar. Es ist also nicht zulässig, den Verlust aus einem Bitcoin-Verkauf mit dem Arbeitslohn oder mit Mieteinnahmen zu verrechnen. Alle Einkunftsarten werden für sich alleine betrachtet.

Kontoführungsgebühren und Bankprovisionen absetzen

Sie können jegliche Gebühren steuerlich geltend machen, die für Ihr Bitcoin-Konto anfallen. Gleiches gilt für etwaige Bankprovisionen beim Umtausch in Euro oder für Sonderdienstleistungen der Handelsplattform. Lesen Sie ausführlich, wie Sie Kontoführungsgebühren mit dem Finanzamt teilen.


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